16.10.17

Salzburger Betriebe nutzen Abwärme effizient

Stiegl, Senoplast, W&H, Fahnen Gärtner und andere Salzburger Unternehmen steigern durch konsequente Wärmerückgewinnung ihre Energieeffizienz deutlich und vergleichsweise einfach. umwelt service salzburg, Unternehmensvertreter und Umweltberater überzeugten bei zwei Veranstaltungen in Salzburg und Piesendorf zahlreiche Interessierte von den Einsparpotenzialen und Vorteilen der Abwärmenutzung. 

„live-im-Betrieb-Veranstaltungen“ beantworten offene Fragen

Bei nahezu allen thermischen oder mechanischen Prozessen in Industrie und Gewerbe entsteht Wärme, die allerdings oft ungenutzt verloren geht – in  manchen Fällen werden gar bis zu 70 Prozent nicht weiter verwendet. Angesichts dieser Fakten erhält das Thema Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung einen immer größeren Stellenwert für Salzburger Betriebe. Gleichzeitig tauchen aber auch viele Fragen auf: Wie kann man dieses ungenützte Energiepotenzial sinnvoll und wirtschaftlich nutzen? Welche Maßnahmen und Investitionen sind dafür notwendig? Wie lange dauert es, bis sich diese amortisieren? Die Antworten lieferten die „live im Betrieb-Veranstaltungen“ von umwelt service salzburg am 9. und 11. Oktober 2017 bei der Stieglbrauerei in Salzburg und bei Senoplast in Piesendorf.

Abwärme bringt neue Wärme

In seinem Vortrag erklärte der umwelt service salzburg-Berater Martin Hinterndorfer von sattler Energieconsulting anhand von Best-Practice-Beispielen anschaulich die Möglichkeiten der Abwärmenutzung und betonte: „Besonders wichtig ist es, zunächst alle relevanten Wärmequellen und Wärmesenken zu identifizieren, zum Beispiel durch ein Sankey-Diagramm oder ein Energiemonitoring der Abwärmeströme. Ob und wie Abwärme in einem Unternehmen anschließend sinnvoll genutzt werden kann, hängt unter anderem ab vom Temperaturniveau, von der Menge, Gleichzeitigkeit und räumlichen Nähe sowie von den Trägermedien.“ Grundsätzlich wird Abwärme derzeit vor allem für die Bereitstellung von Wärme im Unternehmen genutzt, weil die Wirtschaftlichkeit anderer Nutzungsmöglichkeiten, wie Strom- und Kältebereitstellung, momentan nur schwer darzustellen ist. Erreicht die Abwärme im Unternehmen ein zu niedriges Temperaturniveau, werden Wärmepumpen eingesetzt: Sie wurden deutlich weiterentwickelt und heben die Abwärme inzwischen auf ein Temperaturniveau von bis zu 130 Grad Celsius. Dadurch wird die Nutzung für viele andere Anwendungen ermöglicht.

Senoplast spart rund 100.000 Liter Heizöl pro Jahr  

Der mehrfach ausgezeichneten Kunststoffaufbereiter Senoplast aus Piesendorf nutzt Abwärme bereits erfolgreich: Hallenbelüftung und Absaugung erfolgen durch eine Klimaanlage, deren Warmluft aus der Abwärme der Fertigung bereitet wird. Seit 2003 werden etwa 250.000 Liter Heizöl zum Teil durch Abwärme aus dem Produktionsprozess ersetzt: Die entstandene Wärme bei den Stahlwalzen wird konsequent wieder genutzt und entspricht rund einer Gigawattstunde bzw. 100.000 Liter Heizöl pro Jahr. Die restliche Einsparung auf 250.000 Liter Heizöl ergibt sich aus der Umstellung von Öl auf Biomasse. In Summe wurde die CO2-Emission um 840 Tonnen pro Jahr reduziert.

Ziel des Unternehmens ist, die bei der Produktion entstandene Wärme möglichst erschöpfend zu nutzen. Eine Wärmepumpe könnte dabei die Temperatur der Abwärme heben und besser einsetzbar machen. Dadurch könnte es möglich werden, im Sommer das Heizwerk in Piesendorf teilweise abzustellen und über 100 Haushalte, Pensionen und öffentliche Gebäude nur mit der Wärme und Abwärme von Senoplast zu versorgen.

Geschäftsführer Günter Klepsch der Senoplast Klepsch & Co. GmbH zeigt sich überzeugt: „Aktiver Umweltschutz ist eines unserer höchsten Unternehmensziele. Dabei denken wir im Sinne eines ganzheitlichen Umweltmanagements vorausschauend und vermeiden Probleme bereits vorab durch produktionsintegrierte Lösungen. Vielfältige Umweltmaßnahmen, wie zum Beispiel Recycling- und Strommanagementkonzepte, aber auch Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung tragen zur Zukunftssicherung unseres Unternehmens bei.“ Entscheidend für die Nutzung der Abwärme im Unternehmen war neben den Synergieeffekten, wie weniger Produktionsausfallzeiten oder der Verlängerung der Pumpen und Ventile, dass sich die Maßnahmen auch wirtschaftlich rechnen.

Stieglbrauerei halbiert Ergasverbrauch

Nachhaltigkeit zählt auch seit über 20 Jahren zu den Kernwerten der Stieglbrauerei und ist Teil des gesamten Wertschöpfungsprozesses. Stiegl reduziert deshalb als Salzburg 2050-Betrieb und mithilfe der Unterstützung von umwelt service salzburg kontinuierlich den Verbrauch von Strom, Erdgas und Wasser und steigert gleichzeitig die Recyclingquoten. Im Vergleich zu anderen Brauereien konnte der Energie- und Wasserverbrauch pro Liter Bier deutlich gesenkt werden: Der Verbrauch von Erdgas zur Bierherstellung hat sich seit 1990 mehr als halbiert, der Wasserverbrauch um 40 Prozent reduziert.

Mit ein Grund für diese konsequente Ressourcenschonung ist einerseits die Vermeidung und anderseits die Nutzung von Abwärme: Verringert wird die Abwärme in der Produktion durch eine neue Betriebskälteanlage mit natürlichem Kältemittel, die jährlich 775.000 Kilowattstunden Strom und 1.100.000 Kilowattstunden thermische Energie weniger verbraucht. Im neu errichteten Sudhaus gibt es einen Pfannendunstkondensator, um Verdampfungswärme wieder zurückzugewinnen und zur Vorwärmung des Brauwassers einzusetzen. Dadurch spart man, im Vergleich zum alten Sudhaus, rund 20 Prozent Erdgas. Auch aus den Kältekompressoren wird Wärme gewonnen, die zur Luftvorwärmung der Hallenheizung beiträgt. Um die Werkstätte zu heizen, nutzt Stiegl außerdem die Abwärme aus den Druckluftkompressoren durch eine Direkteinleitung.

Nachhaltiges und umweltfreundliches Wirtschaften bleibt weiterhin ein zentrales Thema für die Stieglbrauerei: „Vor allem in den Bereichen Energieeffizienz, regenerative Energien, Mobilität und Abfallressourcenmanagement wollen wir unsere Vorreiterrolle noch weiter ausbauen, denn schließlich ist Bier ein Naturprodukt, dessen Qualität ganz eng mit einer intakten Umwelt verbunden ist“, stellt der Chef-Braumeister von Stiegl, Christian Pöpperl, fest. Daher werden in Zukunft weitere Umweltmaßnahmen realisiert, unter anderem die Nutzung der hauseigenen Abwässer durch eine Biogasanlage, aber auch Mitarbeitermotivation im Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz und die Teilnahme an der Nachhaltigkeitsagenda der Getränkeindustrie. 

Fahnen Gärtner spart jährlich 60 Prozent Energie  

Neben der Stieglbrauerei und Senoplast gibt es im Bundesland Salzburg zahlreiche weitere prominente Vorzeigebetriebe, die Prozesswärme nicht verloren gehen lassen, sondern gezielt nutzen. So ersetzte zum Beispiel die Fahnen Gärtner GmbH mit Sitz in Mittersill zwei bestehende Kessel der Prozesswärmeanlage durch eine Kombination aus Wärmeträgerölkessel und Dampfkessel inklusive Abgaswärmetauscher. Außerdem wurden Abluftgeräte mit einer Wärmerückgewinnung nachgerüstet. Die dadurch ausgekoppelte Wärme verwendet der Pinzgauer Betrieb, der wahrscheinlich als energieeffizientester Fahnenerzeuger am Markt gilt, für die Beheizung der Gebäude und die Vorwärmung von Brauchwasser. Rund 15.000 Euro Energiekosten weniger zahlt das Unternehmen jedes Jahr alleine durch diese Nutzung der Abgaswärme. „Mit der effizienten Erneuerung unserer Prozesswärmeanlage sowie der Wärmerückgewinnung aus Abgas, Waschwasser und Abluft sparen wir insgesamt rund 50 bis 60 Prozent Energie im Jahr, das sind circa 60.000 bis 80.000 Liter Heizöl“, freut sich Geschäftsführer Gerald Heerdegen, und ergänzt: „Die Beratung durch umwelt service salzburg hat sehr geholfen, unsere Ideen auf Schiene zu bringen. Und Investitionsförderungen helfen, die Maßnahmen letztendlich umzusetzen.“  

W&H Dentalwerk nutzt Abwärme der Druckluftkompressoren

Beim W&H Dentalwerk in Bürmoos sind zur Unterstützung der Wärmebereitstellung zwei Schraubenkompressoren mit Wärmerückgewinnungssystemen im Einsatz. Die beiden Kompressoren liefern jährlich etwa 2,19 Millionen Kubikmeter Druckluft bei einem Stromverbrauch von rund 213.000 Kilowattstunden. Nach einer geförderten umwelt service salzburg-Beratung konnte die jährliche Wärmerückgewinnung von bisher 44.000 Kilowattstunden auf etwa 96.000 Kilowattstunden pro Jahr gesteigert werden. Außerdem werden bei Neuerrichtungen und Sanierungen von Lüftungsanlagen seit 2003 nur mehr Systeme mit Wärmerückgewinnung eingebaut und die Wärme aus Lüftungsanlagen wird konsequent wieder genutzt. Die Vorteile dieser Maßnahmen liegen auf der Hand: Aus wirtschaftlicher Sicht spart man Energiekosten, aus Umweltsicht stößt man weniger CO2 aus und in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens reduziert man interne Kosten. „In Summe sparen wir allein durch die gesamte Wärmerückgewinnung aus der Druckluft 200.000 Kilowattstunden pro Jahr. Somit ist auch die Wirtschaftlichkeit ein wesentlicher Grund für unsere Umweltmaßnahmen“, meint Christian Gerner, verantwortlich für das W&H Facility Management.  

Atomic verbraucht jährlich rund 3,2 Millionen Kilowattstunden weniger

Die Atomic Austria GmbH hat ihren Energieverbrauch an Strom und Wärme um knapp 3,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr gesenkt – primär durch Wärmerückgewinnung. Am Produktionsprozess selbst sollte nichts verändert werden, allerdings forcierte man unterschiedlichste Optimierungen der Druckluft- sowie der Lüftungs- und Absauganlagen. In einem zweistufigen Prozess wird die Energie der abgesaugten Raumluft und der Prozesswärme aus der Produktion, zum Beispiel der Späneabsaugung, zur Wärmerückgewinnung verwendet. Damit deckt man 50 Prozent der benötigten Heizenergie ab und spart rund 230.000,- Euro und 12 Tonnen CO2 jährlich.

Geförderter Energiecheck analyisert Abwärmepotentiale

umwelt service salzburg unterstützt Salzburger Betriebe dabei, ungenutzte Abwärmepotentiale zu erkennen. Kompetente Berater analysieren durch einen geförderten Energiecheck alle technisch und wirtschaftlich relevanten Abwärmepotentiale und erarbeiten maßgeschneiderte Lösungsvorschläge für jeden Betrieb. Bis zu 50 Prozent der maximalen Beratungsstunden werden dabei von umwelt service salzburg übernommen. Umweltzeichen- oder EMAS zertifizierte Unternehmen sowie Salzburg 2050-Partner erhalten sogar 75 Prozent Förderzuschuss. „Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen haben großes Einsparpotential, jedoch selten die Zeit, sich umfassend mit dem Thema zu beschäftigen. Durch eine individuelle Energieberatung rund um die sinnvolle Nutzung der Abwärme lassen sich Fragen und Potenziale rasch klären, unnötige Investitionen vermeiden und langfristig sinnvolle Abwärmenutzung und Energieeffizienz forcieren“, so Matthias Greisberger von umwelt service salzburg.  Die Unternehmen profitieren nach einer solchen geförderten Energieberatung vom reduzierten Energieverbrauch und einem besseren Arbeitsklima durch geringere Wärmequellen. Gleichzeitig stoßen sie weniger CO2-Emissionen aus und zahlen weniger Betriebskosten. Als Vermittler und Investitionsfördergeber fungiert das Land Salzburg und unterstützt dabei, auch eine betriebsexterne Nutzung der Abwärme zu forcieren. Dabei wird überschüssige Abwärme weitergegeben und zum Beispiel in Nahwärmenetze eingespeist, um so die Warmwasserversorgung von Wohnbauten zu unterstützen.

Detailinformation zu Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung: bis zu 70 Prozent der Wärme geht verloren.