16.10.17

Bis zu 70 Prozent der Wärme in Unternehmen geht verloren, Salzburger Betriebe nutzen Abwärme effizient

Schmelzen, Backen, Verbrennen, Trocknen, Reinigen, Kühlen, Absaugen: All das und noch vieles mehr erzeugt in Produktionsprozessen große Mengen an Wärme – die man allerdings wieder  gezielt nutzen und verwenden kann und nicht verschwenden sollte. Durch eine konsequente Wärmerückgewinnung steigern produzierende Betriebe aus Industrie und Handwerk ihre Energieeffizienz deutlich und vergleichsweise einfach.

Fast überall entsteht Wärme

Bei nahezu allen thermischen oder mechanischen Prozessen in Industrie- und Handwerksbetrieben, bei Produktionsprozessen oder beim Betrieb von Gebäuden entsteht Wärme. Wird diese Wärme aus Produktion, Kühlung oder Lüftung nicht genutzt, spricht man von Abwärme. Im Durchschnitt gehen bis zu 70 Prozent der eingesetzten Wärme in Unternehmen über Abluft oder Abwasser verloren. Dieses ungenutzte Potential könnte einerseits intern wieder für Produktion oder Kühlung verwendet oder andererseits als Überschuss nach außen abgegeben und in ein Energieversorgungsnetz eingespeist werden.

Ungenutztes Potential für viele Branchen

Das größte Potential, die entstehende Wärme zu nutzen, haben Produktionsbetriebe: Zementindustrie, Papier-, Metall- und Glasproduktion, chemische Industrie, Kunststoffverarbeiter, die Holz- und Textilindustrie, aber auch Lebensmittelhersteller wie Brauereien, Schokoladeproduzenten, Molkereien und Käsereien. In erster Linie geht es zunächst immer darum, energieeffizient zu produzieren, Anlagen gut zu dämmen und den Energieverbrauch des Betriebes zu optimieren. So lässt sich Abwärme grundsätzlich reduzieren. Entsteht jedoch nicht vermeidbare Wärme, sollte diese in jedem Fall gezielt genutzt werden. „Abwärme ist Nutzwärme, denn Wärme, die kostenlos als Nebenprodukt von Produktionsprozessen entsteht, ist oft ungenützte Energie. Sie kann relativ einfach wieder in den Prozess derselben Anlage oder in andere Prozesse rückgeführt, also wieder verwendet und eingesetzt werden. So lassen sich eine Menge an Energie und Betriebskosten sparen“, fasst Sabine Wolfsgruber, Geschäftsführerin des Vereins umwelt service salzburg, die Fakten zusammen.

Abwärme für Warmwasser, Heizung und Vorwärmung nutzen  

Die Abwärme eines Betriebes kann intern durch Wärmerückgewinnung sinnvoll wieder verwendet werden, beispielsweise für die Warmwasser-Bereitung, die Heizungsunterstützung oder die Warmwasser-Vorwärmung. Dafür nutzt man die unterschiedlichsten Wärmequellen, wie Produktions-, Druckluft- und Kälteanlagen, Motoren und Kühlsysteme. Die anfallende Energie wird durch Wärmetauscher, -speicher und -pumpen, aber auch thermomechanische Verfahren oder Sorptionsverfahren aufbereitet und für die Bereitstellung von Wärme, aber auch von Strom und Kälte, genutzt.

Einfache Nachrüstung und schnelle Amortisation

Je nach Betriebszeiten, den Energieinhalten der Abwärmequelle, den Nutzungsmöglichkeiten der Abwärme, des Temperaturniveaus der Abwärmequelle und anderen Indikatoren rechnen sich Investitionen in die Abwärmenutzung für kontinuierlich betriebene Anlagen im Durchschnitt in zwei bis fünf Jahren. Abhängig von der Art der Abwärmenutzung zahlt sich die Wärmerückgewinnung aus. Aber nicht immer sind Neuanschaffungen notwendig. So können beispielsweise auch bestehende Dampfkessel mit einem Abgaswärmetauscher einfach und problemlos nachgerüstet werden.

Geförderter Energiecheck analyisert Wärmepotentiale

umwelt service salzburg unterstützt Salzburger Betriebe, ungenutzte Wärmepotentiale zu erkennen. Kompetente Berater analysieren durch einen geförderten Energiechecks alle technisch und wirtschaftlich relevanten Abwärmepotentiale und erarbeiten maßgeschneiderte Lösungsvorschläge für jeden Betrieb. Bis zu 50 Prozent der maximalen Beratungsstunden werden dabei vom umwelt service salzburg übernommen. Umweltzeichen- oder EMAS zertifizierte Unternehmen sowie Salzburg 2050-Partner erhalten sogar 75 Prozent Förderzuschuss. „Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen haben großes Einsparpotential, jedoch selten die Zeit, sich umfassend mit dem Thema zu beschäftigen. Durch eine individuelle Energieberatung rund um die sinnvolle Nutzung der Abwärme lassen sich Fragen und Potenziale rasch klären, unnötige Investitionen vermeiden und langfristig sinnvolle Abwärmenutzung und Energieeffizienz forcieren“, so Matthias Greisberger von umwelt service salzburg.  Die Unternehmen profitieren nach einer solchen geförderten Energieberatung vom reduzierten Energieverbrauch und einem besseren Arbeitsklima durch geringere Wärmequellen. Gleichzeitig stoßen sie weniger CO2-Emissionen aus und zahlen weniger Betriebskosten. Als Vermittler und Investitionsfördergeber fungiert das Land Salzburg und unterstützt dabei, auch eine betriebsexterne Nutzung der Abwärme zu forcieren. Dabei wird überschüssige Abwärme weitergegeben und zum Beispiel in Nahwärmenetze eingespeist, um so die Warmwasserversorgung von Wohnbauten zu unterstützen.

Senoplast spart rund 100.000 Liter Heizöl pro Jahr  

Der mehrfach ausgezeichneten Kunststoffaufbereiter Senoplast aus Piesendorf nutzt Abwärme bereits erfolgreich: Hallenbelüftung und Absaugung erfolgen durch eine Klimaanlage, deren Warmluft aus der Abwärme der Fertigung bereitet wird. Seit 2003 werden etwa 250.000 Liter Heizöl zum Teil durch Abwärme aus dem Produktionsprozess ersetzt: Die entstandene Wärme bei den Stahlwalzen wird konsequent wieder genutzt und entspricht rund 1 Gigawattstunde bzw. 100.000 Liter Heizöl pro Jahr. Die restliche Einsparung auf 250.000 Liter Heizöl ergibt sich aus der Umstellung von Öl auf Biomasse. In Summe wurde die CO2-Emission um 840 Tonnen pro Jahr reduziert.

Stieglbrauerei halbiert Ergasverbrauch

Stiegl reduziert als Salzburg 2050-Betrieb und mithilfe der Unterstützung von umwelt service salzburg ebenfalls kontinuierlich den Verbrauch von Strom, Erdgas und Wasser und steigert gleichzeitig die Recyclingquoten. So konnte der Energie- und Wasserverbrauch pro Liter Bier deutlich gesenkt werden: Der Verbrauch von Erdgas zur Bierherstellung hat sich seit 1990 mehr als halbiert, der Wasserverbrauch um 40 Prozent reduziert. Mit ein Grund für diese konsequente Ressourcenschonung ist die Vermeidung und die Nutzung von Abwärme durch eine neue Betriebskälteanlage mit natürlichem Kältemittel, einen Pfannendunstkondensator und die Nutzung der Abwärme aus den Kälte- und Druckluftkompressoren.

Fahnen Gärtner spart jährlich 60 Prozent der Energie

Auch die Fahnen Gärtner GmbH mit Sitz in Mittersill zählt zu den Vorzeigebetrieben im Bundesland Salzburg, die Prozesswärme nicht verloren gehen lassen, sondern gezielt nutzen. So ersetzte das Unternehmen zum Beispiel zwei bestehende Kessel der Prozesswärmeanlage durch eine Kombination aus Wärmeträgerölkessel und Dampfkessel inklusive Abgaswärmetauscher. Außerdem wurden Abluftgeräte mit einer Wärmerückgewinnung nachgerüstet. Die dadurch ausgekoppelte Wärme verwendet der Pinzgauer Betrieb für die Beheizung der Gebäude und die Vorwärmung von Brauchwasser und spart damit rund 50 bis 60 Prozent Energie im Jahr, das sind circa 60.000 bis 80.000 Liter Heizöl.  

W&H Dentalwerk nutzt Abwärme der Druckluftkompressoren

Beim W&H Dentalwerk in Bürmoos sind zur Unterstützung der Wärmebereitstellung zwei Schraubenkompressoren mit Wärmerückgewinnungssystemen im Einsatz. Dadurch spart man aus der Druckluft rund 200.000 Kilowattstunden pro Jahr und die jährliche Wärmerückgewinnung wurde von bisher 44.000 Kilowattstunden auf etwa 96.000 Kilowattstunden gesteigert. Außerdem werden bei Neuerrichtungen und Sanierungen von Lüftungsanlagen seit 2003 nur mehr Systeme mit Wärmerückgewinnung eingebaut und die Wärme aus Lüftungsanlagen wird konsequent wieder genutzt.

Atomic verbraucht jährlich rund 3,2 Millionen Kilowattstunden weniger

Die Atomic Austria GmbH hat ihren Energieverbrauch an Strom und Wärme um knapp 3,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr gesenkt – primär durch Wärmerückgewinnung: Forciert wurden unterschiedlichste Optimierungen der Druckluft- sowie der Lüftungs- und Absauganlagen. In einem zweistufigen Prozess wird die Energie der abgesaugten Raumluft und der Prozesswärme aus der Produktion, zum Beispiel der Späneabsaugung, zur Wärmerückgewinnung verwendet. Damit deckt man 50 Prozent der benötigten Heizenergie ab und spart dadurch rund 230.000,- Euro und 12 Tonnen CO2 jährlich.

 

Antworten auf Fragen zum Beratungsablauf finden Sie in der 'Erklärung zum Beratungsablauf'.

Mag. Sabine Wolfsgruber, GF umwelt service salzburg (JPG, 1194kB)
Verdampfungswaerme genutzt: Sudhaus Stieglbrauerei (JPG, 3484kB)
'Waerme erschoepfend nutzen', Guenther Klepsch, GF Senoplast (JPG, 690kB)
Waermepumpe, um Abwaerme besser einsetzbar zu machen. (JPG, 7299kB)
'Maximale Energieeffizienz fuers Bier', C. Poepperl, Stiegl (JPG, 1096kB)