Wie Salzburger Betriebe jetzt von ESG-Daten profitieren?
Mit der Verabschiedung der Omnibus‑Richtlinie zur europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und dem neuen nationalen Nachhaltigkeitsberichterstattungsgesetz (NaBeG) in Österreich ist seit Frühjahr 2026 klar geregelt, wer einen Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS (European Sustainability Reporting Standards) erstellen muss und welche Spielräume entstehen. Große Unternehmen berichten demnach verpflichtend, KMUs und größere Betriebe unter 1.000 Mitarbeitenden sind indirekt betroffen und sollten dementsprechend tätig werden.
„Für viele Betriebe ist der Wegfall der Berichtspflicht eine Erleichterung, aber das Thema jetzt ad acta zu legen wäre ein Fehler“, betont Merlin Schönthier-Richter vom umwelt service salzburg. Wer den Anschluss nicht verpassen und stattdessen die Vorteile der Offenlegung von ESG-Daten für sich nutzen möchte, wird jetzt aktiv. Denn die neuen Rahmenbedingungen schaffen einen Markt, in dem Transparenz, hohe Datenqualität und aktives Management von ESG-Kennzahlen helfen, Zugang zu Kapital und Kunden zu behalten, Kosten zu senken und Risiken zu reduzieren.
„Damit auch größere Betriebe bestmöglich betreut werden können, sind jetzt auch zwei ESG-Expert:innen der KPMG Teil des Berater:innen-Pools von umwelt service salzburg“, erklärt Ulrike Regner, Head of Consulting am KPMG Standort Salzburg. „Unsere Kooperation ermöglicht es, die Förderung des umwelt service salzburg mit der betriebswirtschaftlichen und ESG‑Expertise von KPMG zu kombinieren – direkt hier in Salzburg.“
Lieferantenabfragen zu ESG-Daten werden sich häufen
Auch wenn der Großteil der Salzburger Betriebe durch die Omnibus-Regelung aus der Berichtspflicht der CSRD herausfallen, sind sie dennoch indirekt auf verschiedene Arten davon betroffen. Laut CSRD und NaBeG dürfen berichtspflichtige Betriebe ESG-Daten ihrer Lieferanten abfragen, jedoch beschränkt auf dem Ausmaß des VSME (Voluntary Small and Medium Enterprise) Standard. Dieser Standard zur freiwilligen Berichterstattung wurde für KMUs entwickelt und bewusst einfach gehalten. Er deckt die relevantesten ESG-Daten ab, bei gleichzeitig wesentlich weniger Aufwand im Vergleich zu seinem großen Bruder.
Warum ist das für Salzburger Betriebe relevant?
Berichtspflichtige Unternehmen sind jetzt gesetzlich verpflichtet, Daten aus ihrer Wertschöpfungskette jährlich zu berichten. In dieser Wertschöpfungskette können sich auch nicht berichtspflichtige Betriebe als Lieferanten befinden. „Viele Betriebe unterschätzen noch die Wichtigkeit von Nachhaltigkeitsdaten“, gibt Schönthier-Richter zu bedenken. „Denn zukünftig wird neben Qualität und Preis auch die Verfügbarkeit von ESG-Daten eine Rolle in der Vergabe von Aufträgen spielen.“ Aber nicht nur das pure Vorhandensein von Daten wird ausschlaggebend werden. Auch jene Betriebe erhöhen ihre Chance auf Aufträge, die bessere Kennzahlen als ihre Mitbewerber vorweisen können, z.B. wenn Energieverbräuche aktiv gesenkt oder Ressourcenverbräuche reduziert werden. Das wiederum setzt aktives Energie- bzw. Ressourcenmanagement voraus, das nur mit Hilfe von verlässlichen Daten funktioniert.
Zugang zu Kapital ohne ESG-Daten wird schwieriger
Der europäische Finanzmarkt stellt sich bezüglich des Managements von ESG-Risiken neu auf. Insbesondere aufgrund des Leitfadens für das Management von Nachhaltigkeitsrisiken sowie einigen weiteren aufsichtsrechtlichen Vorschriften der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) sowie der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) müssen Institute künftig unter anderem nachweisen, wie die Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Kredit- und Investmentportfolios beschaffen sind und wie diese adäquat gemanaged werden. Im Gegensatz zur CSRD gelten hier keine Schwellenwerte, denn auch sehr kleine Banken sind damit prinzipiell, entsprechend ihrer Komplexität, umfasst. Banken benötigen daher künftig ESG-Daten von allen Firmenkunden, unabhängig von Größe oder Rechtsform. Liegen diese nicht vor, kommen Schätzungen oder statistische Daten zur Anwendung, was typischerweise nachteilig ist.
Warum ist das für Salzburger Betriebe relevant?
Banken können ihre regulatorischen Verpflichtungen nur erfüllen, wenn Unternehmen belastbare ESG-Daten bereitstellen. Fehlen diese Daten, steigt aus Bankensicht das Risiko und damit der Kapitalbedarf für die Finanzierung. Unternehmen mit fehlender ESG-Transparenz oder mit unterdurchschnittlichen Nachhaltigkeitskennzahlen laufen daher Gefahr, in Zukunft schwieriger Zugang zu Finanzierungen zu erhalten oder höhere Finanzierungskosten tragen zu müssen. Laut Regner wird aktives Nachhaltigkeitsmanagement damit zu einem zentralen betriebswirtschaftlichen Faktor für Unternehmen: „Wer verlässliche ESG-Daten liefert und Risiken aktiv steuert, verbessert seine Kreditwürdigkeit.“
Besser versichert: Risiken kennen, bevor sie teuer werden
Auch Versicherungen schauen heute sehr genau auf ESG-Risiken: Schäden z.B. durch Starkregen, Hagel oder lange Hitzeperioden werden häufiger – und das macht Versicherungen teurer. In manchen Fällen kommt sogar die Frage auf, ob bestimmte Standorte oder Tätigkeiten überhaupt noch versicherbar sind. „Betriebe, die ihre Risiken am Standort und im Geschäftsmodell kennen und aktiv managen, haben bei Versicherungen eindeutig die besseren Karten“, betont Regner. Wer versteht, wo Risiken entstehen, etwa bei Gebäuden, in Prozessen oder Lieferketten, und passende Maßnahmen setzt, bekommt dadurch leichter und günstiger Versicherungsschutz.
Warum ist das für Salzburger Betriebe relevant?
Viele Unternehmen im Land Salzburg sind direkt vom Wetter und den örtlichen Gegebenheiten abhängig – besonders in Tourismus und Landwirtschaft sowie im Bau- und Infrastrukturbereich. Aber auch andere Branchen können betroffen sein, etwa durch Hangrutsch, Murenabgänge oder Hochwasser nach Starkregen, die Gebäude, Zufahrten und Lieferwege beeinträchtigen können. Selbst Betriebe, deren Standorte kaum von Naturereignissen betroffen sind, können über ihre Lieferketten oder eine schwankende Nachfrage empfindlich auf äußere Einflüsse reagieren. Wer weiß, wo die größten Risiken liegen, kann gezielt vorsorgen: Gebäude sichern, Lager umorganisieren, alternative Lieferwege aufbauen oder Produktionsprozesse robuster gestalten. Das reduziert nicht nur Schäden und Ausfallzeiten, sondern wirkt sich auch positiv auf Versicherungsprämien aus.
Unterm Strich bleibt mehr
Die derzeitige geopolitische und wirtschaftliche Lage zeigt, dass Energiepreise, Zinsen, Lieferketten sowie die Verfügbarkeit und Kosten von Rohstoffen sich schnell verändern können. Das Problem insbesondere für kleinere Unternehmen ist in solchen Situationen häufig, dass keine ausreichende Datenbasis für schnelle Entscheidungen vorliegen. Und was man nicht misst, kann man bekanntlich nicht steuern.
Warum ist das für Salzburger Betriebe relevant?
Diejenigen Betriebe, die ihre relevanten Ressourcen und Risiken im Blick haben, können Energieverbräuche aktiv senken, Kosten kalkulierbarer machen, Abhängigkeiten reduzieren und schneller auf Veränderungen reagieren. Dies führt zu höherer Stabilität und oft auch zu geringeren Kosten. ESG-Berichterstattung wird damit vom vermeintlichen Pflichtprogramm zur unternehmerischen Vorsorge und zum Managementtool, das sich auszahlt.
Lenken statt verwalten
Die Diskussion um Berichtspflichten war oft negativ geprägt. Doch nun, da die Regeln klar sind, lohnt sich ein neuer Blick: Nicht der Bericht ist das Ziel, sondern Kundenaufträge, Zugang zu günstigerem Kapital, weiterhin leistbare Versicherbarkeit sowie geringere Kosten und mehr Stabilität. Unternehmen, die aktiv steuern, berichten später ohne Mühe und können sämtliche externe Anforderungen erfüllen, weil sie die benötigten Daten ohnehin für ihr eigenes Management nutzen. „Letztlich ist es egal, ob das empfohlene Mittel ‚Nachhaltigkeitsmanagement‘, ‚Business Resilience‘ oder ‚Transformationsmanagement‘ heißt“, fasst Schönthier-Richter zusammen. „Wichtig ist nur, dass es ein effektiver Bestandteil im Werkzeugkasten eines jeden Salzburger Betriebs wird.“







