Drei Salzburger Tourismusbetriebe über das Österreichische Umweltzeichen – und warum glaubwürdige Nachhaltigkeit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil wird.
Warum Glaubwürdigkeit zählt
„Wir leben Nachhaltigkeit“ – das behaupten viele Unternehmen, beweisen können es wenige. In einer Zeit, in der Begriffe wie „grün“, „klimafreundlich“ oder „nachhaltig“ inflationär verwendet werden, wird externe Glaubwürdigkeit zum echten Unterscheidungsmerkmal. Gäste sind informierter als früher, ihr Misstrauen gegenüber bloßen Marketingversprechen wächst.
Das Österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe setzt genau hier an: Es ist kein Selbstbekenntnis, sondern eine unabhängig geprüfte Auszeichnung, die echte Nachhaltigkeitsarbeit von Hochglanzbroschüren unterscheidet. Wer das Zeichen trägt, hat nachgewiesen – nicht behauptet. Und dieser Nachweis wird bald nicht nur von Gästen, sondern auch vom Gesetzgeber eingefordert: Ab Herbst 2026 verpflichtet die EU-Richtlinie „Empowering Consumers Directive“ – kurz EmpCo - alle Unternehmen, Nachhaltigkeitsaussagen belegbar zu machen – bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Was für viele eine neue Hürde bedeutet, ist für Umweltzeichen-Betriebe längst Alltag.
Pioniere mit Überzeugung
Drei Salzburger Betriebe – unterschiedlich in Größe, Lage und Ausrichtung – zeigen, wie der Weg zum Umweltzeichen aussehen kann. Was sie verbindet: Nachhaltigkeit war in allen drei Häusern keine Reaktion auf Regulierung, sondern eine innere Haltung – lange bevor das Umweltzeichen ins Bild trat.
Pension Hubertus, Zell am See
Die Pension Hubertus ist ein Familienbetrieb in dritter Generation, seit 1954 in Zell am See zu Hause, seit 1997 von Beate Mondré geführt. Den Anstoß zur Zertifizierung 2006 gab ein Stammgast: Er hatte bemerkt, was im Haus längst gelebt wurde, und fragte schlicht: „Ihr macht so viel – warum habt ihr das Umweltzeichen eigentlich nicht?“ Dabei hatte Beate Mondré schon Jahre zuvor einen persönlichen Wendepunkt erlebt: die Adoption ihrer Tochter aus Guatemala. Die Auseinandersetzung mit den Produktionsbedingungen auf Kaffee- und Orangensaftplantagen führte zur sofortigen Umstellung auf Fairtrade und Bio – lange bevor das Trend war. Verpackungsfreies Buffet, regionale Handwerker (der Installateur ist seit 1985 im Haus), Möbel reparieren statt wegwerfen: Das praktizierte die Familie, als der Begriff Upcycling noch gar nicht existierte. Heute kommt eine Photovoltaikanlage dazu, die Salzburger Mobilitätskarte für Bahnreisende und das Engagement für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung – ausgezeichnet 2023 mit dem Salzburger Prometheus-Preis.
„Das Umweltzeichen gibt dem, was wir ohnehin tun, einen Namen – und macht es sichtbar.“
Beate Mondré, Hubertus Pension
Biohotel Rupertus, Leogang
Das Biohotel Rupertus ist ein familiengeführtes Haus mit 50 Zimmern und 45 Mitarbeitenden. Bereits seit 2006 betreibt es gemeinsam mit sechs Betrieben ein Biomasse-Heizwerk, seit 2015 ist die Küche zu 100 Prozent Bio. Das Umweltzeichen, erstmals 2011 verliehen, war eine logische Konsequenz – keine Zäsur, sondern Bestätigung. Auf die Frage nach Herausforderungen durch die Zertifizierung reagiert Olaf Blumenkamp fast verwundert: Der Betrieb landet bei den Bewertungen regelmäßig im oberen Drittel, weil die Kriterien dem entsprechen, was längst Alltag ist. Interessierte Gäste bekommen persönliche Führungen – nicht durch die Zimmer, sondern durch den Technikraum: PV-Anlage, 85-kWh-Batteriespeicher, Fernwärmeanschluss. Nachhaltigkeit wird so vom abstrakten Label zum konkreten Erlebnis.
„Eine externe Zertifizierung hat eine ganz andere Glaubwürdigkeit – für uns selbst und für unsere Gäste.“
Olaf Blumenkamp, Biohotel Rupertus
Imlauer Hotel Pitter, Salzburg
Das Hotel Imlauer steht für traditionsreiche Stadthotellerie mit modernem Anspruch: 550 Mitarbeitende, fünf Hotels und vier Restaurants in Salzburg und Wien sowie ein Resort im Ennstal. Seit 2015 trägt das Unternehmen das Österreichische Umweltzeichen – als Ausdruck eines Markenwerts, der über Generationen getragen wird. Der Anspruch ist klar: nicht den günstigsten, sondern den nachhaltigsten Weg wählen. Die Wirkung zeigt sich im Team und bei den Gästen gleichermaßen: Auch sie achten seitdem aktiver auf Umweltschutz.
„Wir möchten auch den kommenden Generationen eine intakte Umwelt hinterlassen.“
Georg Imlauer, Hotel Imlauer
Struktur schafft Klarheit – und spart Geld
Was alle drei Betriebe verbindet: Das Umweltzeichen hat ihre Nachhaltigkeitshaltung nicht erfunden – aber ihr eine Struktur gegeben, die blinde Flecken aufdeckt. Der Kriterienkatalog wirkt als externer Spiegel: Er zwingt zur regelmäßigen Reflexion, zur Datenerhebung und zur systematischen Optimierung. Im Biohotel Rupertus zeigen sich die Ergebnisse in konkreten Zahlen: Allein durch intelligente Fernwärmesteuerung spart der Betrieb jährlich 6.000 bis 7.000 Euro. Die Photovoltaikanlage amortisiert sich in sechs bis sieben Jahren, der Eigenverbrauch liegt nahezu bei hundert Prozent. In der Hubertus Pension öffnet das Zeichen Türen zu neuen Zielgruppen – etwa bei Green-Meeting-Anfragen aus dem Kongresszentrum Zell am See. Und wer Verbrauchsdaten ohnehin erhebt, hat es bei künftigen Berichtspflichten leichter: CO₂-Bilanzen, Energiefragebögen der Tourismusbank, EmpCo – die Daten sind da.
Vom Einzelkämpfer zum Ökosystem
Alle drei Betriebe verstehen das Umweltzeichen nicht als Endpunkt, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Im Biohotel Rupertus ist die Gründung einer Energiegemeinschaft in Leogang bereits in Planung. In der Hubertus Pension sind es langjährige Lieferanten- und Handwerkerbeziehungen, Zirbenholz aus dem Krimmler Achental, Milch aus dem Pinzgau. Das Imlauer setzt mit seiner Größe ein Signal, das über den eigenen Betrieb hinauswirkt. Was die EU ab Herbst 2026 für alle Unternehmen zur Pflicht macht, praktizieren Salzburger Vorreiterbetriebe längst freiwillig – und profitieren davon.
Wer diesen Weg gehen möchte, findet beim umwelt service salzburg Unterstützung: Wir fördern gezielte Beratung zum Österreichischen Umweltzeichen für Tourismusbetriebe!
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