Neue Energieversorgungsoptionen für Unternehmen – Ein Gespräch mit Markus Schwarz vom SIR.

Energiegemeinschaften entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Baustein der Energiewende. Was lange als komplexes Nischenthema galt, ist heute breit etabliert. Markus Schwarz, Projektleiter für Energiegemeinschaften vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR), begleitet den Aufbau von Energiegemeinschaften seit Jahren. Im Interview gibt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Perspektiven.

Wie verbreitet sind Energiegemeinschaften in Salzburg?
Die Entwicklung hat sich schneller vollzogen als erwartet: In Salzburg gibt es mittlerweile rund 1.300 Energiegemeinschaften. Die Bandbreite reicht von kleinen Nachbarschaftslösungen bis hin zu größeren Zusammenschlüssen mit mehreren Betrieben. Sowohl die Zahl der Gemeinschaften als auch jene der Teilnehmer wächst weiterhin dynamisch.

Welche Modelle von Energiegemeinschaften gibt es?
Besonders relevant sind drei Modelle: Die Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA) verteilt Strom innerhalb eines Gebäudes und spart 100% der Netzkosten. Die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) ermöglicht den Austausch von Strom aus erneuerbaren Quellen innerhalb eines regional begrenzten Netzgebiets und profitiert von reduzierten Netzentgelten und Abgaben. Neu hinzu kommen ab Oktober die sogenannte Peer-to-Peer-Modelle. Sie erlauben den direkten Energieaustausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern ohne eine eigene Rechtspersönlichkeit gründen zu müssen.

Welche Vorteile bieten Energiegemeinschaften?
Ein wesentlicher Vorteil ist die höhere Planungssicherheit: Energiepreise können innerhalb der Gemeinschaft selbst festgelegt und über längere Zeit stabil gehalten werden. Das schützt Unternehmen besser vor Marktschwankungen. Auch soziale Aspekte spielen eine Rolle – etwa im Hinblick auf Mitarbeiter, Kunden oder als Sozialprojekt. Darüber hinaus fördern Energiegemeinschaften die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stromverbrauch und schaffen oft die Basis für weitere gemeinsame Projekte.

Welches Potenzial bieten Energiegemeinschaften für Unternehmen?
Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle – sowohl als Initiatoren als auch als Teilnehmer. Da Haushalte tagsüber oft mehr Strom produzieren als sie verbrauchen, können Unternehmen diese Überschüsse sinnvoll aufnehmen – zum Vorteil aller Beteiligten.

Welche Schritte können Interessierte setzen?
Wer die Vorteile einer Energiegemeinschaft nutzen möchte, sollte zunächst die eigene Energiesituation kennen. Hier unterstützt das umwelt service salzburg mit der geförderten Beratung "Lastmanagement & Speicher". Konkrete Fragen zu gemeinsamer Energienutzung beantworten wir im SIR. Zur gezielten Vernetzung wurde die Matching-Plattform „Strom verbindet“ geschaffen. Durch Eingabe der Postleitzahl finden Nutzer passende EEGs in ihrer Region – inklusive Informationen zu Energiemix, Gebühren und Kontaktmöglichkeiten.