Fokus auf Wirkung, Effizienz und klare Spielregeln - Ein Gespräch mit Stefan Stelzer (KPC) über aktuelle Entwicklungen in der Umweltförderung für Betriebe
Die Rahmenbedingungen für Investitionen in Energiemaßnahmen stehen derzeit unter Druck: knappe öffentliche Budgets treffen auf steigende Anforderungen durch Klimaziele und gesetzliche Vorgaben. Im Gespräch mit Stefan Stelzer von der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) wird deutlich, dass sich die Förderlandschaft für Unternehmen zwar weiterentwickelt, Förderungen aber weiterhin eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Umweltprojekten spielen.
Die KPC ist die zentrale Förderabwicklungsstelle im Auftrag verschiedener Ministerien, des Klimafonds sowie internationaler Organisationen. Stefan Stelzer ist hier für gebäudebezogene Themen im betrieblichen Kontext verantwortlich. Sein Schwerpunkt liegt auf Förderungen für Unternehmen, die ihre Gebäude energieeffizient sanieren oder modernisieren möchten. Im Gespräch gab er einen Überblick über die aktuelle Förderlandschaft.
Förderlandschaft: Weniger Programme, klarerer Fokus
Laut Stelzer stehen Förderungen für betriebliche Umweltprojekte weiterhin zur Verfügung, allerdings habe sich der Fokus in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Einige Programme seien eingestellt oder in bestehende Strukturen integriert worden, während der Schwerpunkt zunehmend auf Maßnahmen mit besonders hoher Klimawirkung liege. Im Zentrum der aktuellen Förderlogik stehe also, so Stelzer, der effiziente Einsatz öffentlicher Mittel zur größtmöglichen CO₂-Reduktion. In der Praxis würden daher vor allem Projekte mit hoher Energieeinsparung oder besonders ineffizientem Ausgangszustand bevorzugt behandelt.
Thermische Sanierung: Fokus auf die „schlechtesten“ Gebäude
Ein wesentlicher Schwerpunkt bleibe ihm zufolge die thermische Sanierung von Gebäuden. Neu sei jedoch eine deutlich stärkere Zielgruppenorientierung. Gefördert würden vor allem Nicht-Wohngebäude in der Energieklasse D oder schlechter. Damit adressiere die Förderpolitik gezielt die energetisch schwächsten rund 26 Prozent des Gebäudebestands. Ziel dieser Ausrichtung sei es, mit jedem eingesetzten Förder-Euro eine möglichst hohe CO₂-Reduktion zu erreichen. Für Unternehmen bedeute das, dass insbesondere die Sanierung besonders ineffizienter Gebäude weiterhin sehr gute Förderchancen biete. Voraussetzung für eine Förderung sei dabei ein aktueller Energieausweis, der nicht älter als zehn Jahre ist und den tatsächlichen Gebäudestand korrekt abbildet.
Heizungstausch: Klare Grenze bei 100 kW
Auch im Bereich erneuerbarer Wärmelösungen blieben die Förderungen stabil, wie Stelzer erläutert. Entscheidend sei dabei die Unterscheidung zwischen kleineren und größeren Anlagen. Für Anlagen unter 100 kW werde in der Regel eine Pauschalförderung gewährt, etwa für Pelletsheizungen oder Wärmepumpen. In diesen Fällen könne der Antrag auch nach der Umsetzung gestellt werden, sofern dies innerhalb von sechs Monaten erfolge. Der Prozess gelte insgesamt als vergleichsweise einfach.
Bei Anlagen über 100 kW gelte hingegen eine strengere Regelung. Hier müsse der Antrag zwingend vor der Umsetzung eingebracht werden. Zudem erfolge die Entscheidung über eine Kommission, was den Prozess zwar komplexer mache, aber häufig auch höhere Fördervolumina ermögliche.
Gefördert würden weiterhin unter anderem Biomasseanlagen, Wärmepumpen sowie der Anschluss an Fernwärmenetze.
Energieeffizienz: Wettbewerb statt Standardförderung
Im Bereich Energieeffizienz habe sich die Förderlogik grundlegend verändert, so Stelzer weiter. Große Projekte würden zunehmend über wettbewerbliche Ausschreibungen vergeben. Entscheidend sei dabei die erzielte Energieeinsparung pro eingesetztem Fördermittel. Als typische Beispiele nennt er industrielle Prozessoptimierungen, Wärmerückgewinnungssysteme sowie Effizienzsteigerungen in komplexen Produktionsanlagen. Gleichzeitig betont er, dass Maßnahmen, die sich ohnehin wirtschaftlich rechnen, wie etwa der Austausch auf LED-Beleuchtung, in der Regel nicht mehr gefördert würden. Die Förderpolitik konzentriere sich damit stärker auf zusätzliche Anreize für Investitionen, die ohne Unterstützung nicht umgesetzt würden.
Förderprozess: Häufige Fehler vermeiden
Ein großer Teil der abgelehnten Anträge gehe Stefan Stelzer zufolge nicht auf inhaltliche Schwächen, sondern auf formale Fehler zurück. Besonders häufig seien unvollständige Unterlagen, falsche Zeitpunkte der Antragstellung sowie fehlende Endabrechnungen.
Besonders kritisch sei die Vorgabe, dass der Antrag bei größeren Projekten zwingend vor der Beauftragung gestellt werden müsse.
Wird diese Reihenfolge nicht eingehalten, entfalle die Förderfähigkeit vollständig.
Kombination von Förderungen: Möglich, aber begrenzt
Grundsätzlich sei die Kombination verschiedener Förderungen, etwa von Bund und Ländern, möglich, so Stelzer. Allerdings gebe es klare Obergrenzen: In der Regel dürfe die gesamte Förderintensität etwa 40 Prozent nicht überschreiten. Zudem würden sich die Förderstellen untereinander abstimmen, um Doppelförderungen zu vermeiden. Für Unternehmen bedeute das, dass Kombinationen zwar möglich seien, jedoch stets innerhalb klar definierter Grenzen bleiben müssten.
Freiwilligkeit als zentrale Voraussetzung
Ein zentrales Prinzip der Förderlogik sei der sogenannte Anreizeffekt. Förderungen würden ausschließlich für Maßnahmen gewährt, die freiwillig umgesetzt werden. Gesetzlich verpflichtende Maßnahmen seien grundsätzlich nicht förderfähig. Auch Unternehmen, die ausdrücklich angeben, keine Förderung zu benötigen, könnten unter bestimmten Umständen ausgeschlossen werden, da der erforderliche Anreizeffekt dann nicht mehr gegeben sei.
Praktische Tipps für Unternehmen
Zum Abschluss gibt Stelzer mehrere praxisnahe Empfehlungen. Projekte sollten demnach klar definiert und möglichst stabil geplant werden. Ebenso wichtig sei eine frühzeitige Information über bestehende Fördermöglichkeiten sowie die sorgfältige Prüfung der Richtlinien. Darüber hinaus empfiehlt er, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen und alle Unterlagen vollständig vorzubereiten, insbesondere Energieausweise, technische Pläne und Kostenaufstellungen.
Ein zentraler Punkt sei zudem das richtige Timing, da der Antrag bei größeren Projekten zwingend vor der Beauftragung gestellt werden müsse. Schließlich sei auch die korrekte Darstellung der Unternehmensstruktur wichtig, da verbundene Unternehmen in die Bewertung einbezogen werden können.
Fazit
Trotz angespannter öffentlicher Budgets bleibe die betriebliche Umweltförderung ein wichtiger Hebel für die Steigerung der Energieeffizienz. Allerdings zeige sich deutlich, dass sich der Ansatz verändert habe: Gefördert werde nicht mehr flächendeckend, sondern gezielt und wirkungsorientiert.
Unternehmen, die ihre Projekte sorgfältig vorbereiten, auf hohe Energieeffizienz achten und die formalen Spielregeln einhalten, hätten weiterhin sehr gute Chancen auf eine erfolgreiche Förderung.





